Die Drogengeschichte Stadt Basel

Die Ursachen für die Drogenepidemie sind komplex. Sicher ist, dass die Stimmung in den USA in den 1960er-Jahren auf Europa überschwappte. Die jungen Amerikanerinnen und Amerikaner sehnten sich nach Frieden, Freiheit, Antirassismus und Abkehr vom Kommerz. Bei uns in der Schweiz ging es mehr um die Brandmarkung des Establishments und der intoleranten, hierarchischen Strukturen von Elternhaus und Gesellschaft, und ja — auch ein Stück weit um eine Antikriegsmission, namentlich gegen den Vietnamkrieg. Der Aufstand von jungen Akademikerinnen, Akademikern und der Studentenschaft fand als 68er-Bewegung Eingang in die Geschichtsbücher.

Als sich die 68er langsam verliefen, kehrten viele in ihr bürgerliches Leben zurück und machten Karriere. Die Abkehr von den Drogen fiel ihnen vergleichsweise leicht. Andere jedoch entwickelten eine Suchterkrankung. Hilflos und überfordert reagierte der Staat mit Repression und Prohibition. Wer Drogen konsumierte – damals hauptsächlich Cannabis und LSD – galt als kriminell. Trotzdem nahm das Elend unter den Jungen sichtlich zu. Schliesslich begannen sich Private, die mit der staatlichen Drogenpolitik nicht einverstanden waren, um die gestrandeten jungen Menschen zu kümmern.

Als in den 1980er-Jahren eine Heroinwelle Europa überflutete, verschärfte der Staat seine Gesetze und setzte erneut auf Abschreckung, Repression und Strafe. Das gesellschaftliche Klima war vergiftet und heftige Jugendkrawalle erschütterten die Schweiz. Gleichzeitig breitete sich das damals noch unbekannte HIV-Virus aus und forderte in der kleinen Schweiz mehrere Tausend Tode, auch unter den Drogenkonsumenten, die gebrauchte Heroinspritzen gegenseitig tauschten.

Wie Aussätzige wurden die drogen- und AIDS-kranken Menschen gemieden. Überall in der Schweiz entstanden offene Drogenszenen, in Basel vor allem im Kleinbasel, am Rheinufer und auf der Klagemauer. Und wieder ereignete sich dasselbe Desaster: Der Staat sah sich ausserstande, die richtigen Schlüsse zu ziehen und seine Drogenpolitik anzupassen. Erneut sprangen Private in die Bresche, leisteten Überlebenshilfe, spendeten Wärme und ermöglichten ein menschenwürdiges Dasein.

Ein neuer Ansatz in der Drogenpolitik brachte schliesslich die Wende: Das Vier-Säulen-Modell mit Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression. Basel setzte dieses Modell als erste Stadt um und entwickelte es laufend weiter. Der Erfolg gab ihr recht. Es wurde zunächst in der Schweiz, dann auch in den angrenzenden Staaten kopiert.

Die Basler Drogenpolitik – 1967 bis heute.

Anhand von historischen Fotografien wird die Drogengeschichte Basels seit 1967 nachgezeichnet und spannend erzählt. In der knapp 14-minütigen Reportage kommen auch zwei Zeitzeugen zu Wort. Mit dem Chratten auf dem Passwang und dem Haus Gilgamesch am Stadtrand von Basel, setzte die Stiftung Sucht einen Kontrapunkt zur offiziellen Drogendoktrin und unterstützte aktiv den Weg hin zu einem menschlicheren Umgang mit drogenkranken Menschen.

Aus eigener Erfahrung: Thomas Faedis Weg in die Sucht.

In einem bewegenden 7-minütigen Interview erzählt Thomas Faedi, wie er in die Drogensucht hineinrutschte. Wie es damals war, süchtig und ausgegrenzt zu sein. Und auch wie zunächst niemand wirklich helfen konnte. An welchen Folgekrankheiten er leidet und wie er sich den Weg zurück in ein selbstständiges Leben erkämpfte.

Das Interview, geführt von Roland Schlumpf, kann hier geschaut werden.

Düstere Zeiten: Wie es ein Drogenexperte sieht.

Thomas Kessler war von 1991 bis 1998 Drogendelegierter der Stadt Basel. Von Zürich herkommend, wo man von seinem Viersäulen-Modell nichts wissen wollte, konnte er im liberalen Basel die Regierung von seinen Ideen überzeugen. Im 8-minütigen Interview schildert er eindrücklich das Geschehen der damals düsteren Zeit.

Das Interview, geführt von Roland Schlumpf, folgt hier: